01.02.2018: Lesung mit Iris Wolff im Nürnberger Zeitungs-Café Hermann Kesten

Siebenbürgen – ein Sehnsuchtsort. Iris Wolff im Zeitungs-Café Hermann Kesten

Wenn ich meine Geschichte schreibe, dann gehe ich mit meinem eigenen Körper durch diese Welt“, erklärt die Schriftstellerin Iris Wolff im Zeitungs-Café Hermann Kesten in der Stadtbibliothek Nürnberg bei ihrer Autorenlesung am 1. Februar 2018.
Eingeladen wurde die Autorin vom Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher; die Präsentation und Moderation lag bei Josef Balazs.
In der Einführung erwähnte er die erste Lesung von Iris Wolff im Zeitungs-Café vom 7. April 2016, als sie aus ihrem zweiten Roman „Leuchtende Schatten“ gelesen hatte, und das Interview mit ihr, das in der „Siebenbürgischen Zeitung“ erschienen ist. Kurz darauf – am 23. November 2016 – folgte eine Lesung in Fürth. Dort kündigten Iris Wolff und Josef Balazs gemeinsam das Erscheinen und den Titel ihres dritten Romans stolz und feierlich an. Sie waren wohl die ersten, die das taten.
Der dritte Roman von Iris Wolff ist im März 2017 erschienen und hatte so einen fulminanten Erfolg, dass eine zweite Auflage im Juni und eine dritte im Oktober 2017 folgen mussten.
Der Titel ihres neuen Romans: SO TUN, ALS OB ES REGNET.
Ein ungewöhnlicher Titel auf den ersten Blick.
Ein gewitzter Literaturkritiker, kein geringerer als Denis Scheck, meinte auf der Frankfurter Buchmesse 2017 begeistert, Iris Wolff meinend: “Als hätte Herta Müller eine schreibende Tochter.“ Sicherlich dachte der bekannteste Literaturkritiker Deutschlands dabei an das Buch der Nobelpreisträgerin Herta Müller: „Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“. Auch ein ungewöhnlicher Titel!
Beide Titel sind Übersetzungen von Redewendungen aus dem Rumänischen, beide sind erklärungsbedürftig.
Dazu sagte Iris Wolff in einem Interview mit Josef Balazs**:
Das ist eine so schöne Redewendung, wie ich überhaupt finde, dass das Rumänische sehr, sehr bildhafte und schöne Sprüche hat. …. So tun, als ob es regnet…. Wenn man so tut, als hätte man etwas nicht gehört, … es ist ein schöner Zustand des Versunkenseins und des Bei-sich-bleibens …“
Weiter sagte sie: „Das Buch hat den Untertitel: ‘Roman in vier Erzählungen’. Es sind vier Erzählungen, die völlig für sich funktionieren, aber man reist mit ihnen einmal durchs vergangene Jahrhundert. Es beginnt in Siebenbürgen und endet woanders …“
Iris Wolff hält viele Lesungen in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland.
Anfang März unternimmt die gefragte Autorin eine Lesereise durch Rumänien, und ist anschließend auf der Buchmesse Leipzig präsent.
Sie ist eine der größten, der bedeutendsten deutschen Schriftsteller*innen der Gegenwart.
Im Zeitungs-Café Nürnberg hat Iris Wolff Passagen aus allen vier Teilen ihres neuen Romans gelesen. Das interessierte Publikum konnte so ein Bild ihrer „sinnlichen Sprache“ erahnen. Eine Sprache, „die Farben, Gerüche, das Aroma Siebenbürgens stark aufleben“ lässt, wie ein namhafter Kritiker aus Wien betonte.
Auf die Frage wie ihr persönliches Siebenbürgen aussieht, antwortet sie: „als wäre Siebenbürgen ein geheimer Sehnsuchts- und Phantasieort, als gäbe es dort die meisten Geschichten, die noch nicht erzählt wurden.“
Siebenbürgen – ein Land, „in dem man einander in drei Sprachen die Liebe erklären kann“.

Josef Balazs

** Quelle: SZ. v. 15. Dez. 2016, Iris Wolff: Das Leben steht der Literatur entgegen, Interview mit Josef Balazs.

Iris Wolff, So tun, als ob es regnet, Roman in vier Erzählungen, Otto Müller Verlag Salzburg Wien, 2017. ISBN 978-3-7013-1250-4.

Flyer Lesung Wolff

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