18.10.2018: Lesung mit Hellmut Seiler im Nürnberger Zeitungs-Café Hermann Kesten

Hellmut Seiler – „zweiheimischer Grenzgänger“ und hintersinniger „Sprachspieler“[1]

Anton Sterbling

Hellmut Seiler wurde am 19. April 1953 in der siebenbürgischen Kleinstadt Reps geboren. Dies war zwar gut ein Monat nach dem Tod des damals na­hezu ganz Osteuropa beherrschenden Diktators J. W. Stalin, aber noch Mitten in der finsteren Zeit des Stalinismus in Rumänien,[2] die für den größ­ten Teil der deutschen Bevölkerung dieses Landes vielfältige Schrecken, Repressionen und Diskriminierungen bedeutete. Gleichzeitig gehört er da­mit aber auch einer Alterskohorte an, die gleichsam in ein einmaliges „Zeitfenster“ der Nachkriegszeit hinein wuchs,[3] das man zutreffend die „Tauwetterperiode“[4] nannte und das durch eine allmähliche Entspannung der interethnischen Beziehungen, eine Liberalisierung auf vielen Gebieten, eine vorübergehend deutliche Westorientierung Rumäniens und nicht zu­letzt durch einen Aufbruch der rumäniendeutschen Kunst und Literatur in die „Moderne“ gekennzeichnet war.[5] Die Aufnahme diplomatischer Bezie­hungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien und die Hoffnungen des „Prager Frühlings“ stellten zwei Schlüsselereignisse dieser besonderen Zeitkonstellation dar. Wie die Mitglieder der „Aktionsgruppe Banat“,[6] wie Herta Müller und einige andere, etwas ältere und jüngere ru­mäniendeutsche Autoren im Banat und in Siebenbürgen war auch Hellmut Seiler von diesem, durch den damaligen Zeitgeist der weltweiten Jugend­protestkultur und der westlichen künstlerischen Avantgarde deutlich inspi­rierten intellektuellen und literarischen Aufbruch in der deutschen Kultur und Literatur Rumäniens angesprochen und wohl auch in seinem eigenen Schreiben deutlich beeinflusst. So ist es sicherlich kein Zufall, dass er ähn­liche Wege wie diese jungen Banater Autoren ging und später auch in ein engeres Verhältnis zu ihnen fand.

Hellmut Seiler debütierte 1971, noch bevor er ein Jahr später sein Lehr­amtsstudium der Germanistik und Anglistik in Hermannstadt aufnahm, mit Gedichten und Prosa in der „Karpaten Rundschau“ und in der „Neuen Lite­ratur“. Seinen ersten Gedichtband „die einsamkeit der stühle“ veröffent­lichte er 1982 im Klausenburger Dacia Verlag unter Betreuung von Franz Hodjak.[7] 1984 wurde er Preisträger des damals auf Eigenständigkeit in sei­ner Preisverleihung bedachten „Adam-Müller-Guttenbrunn“ Literaturkrei­ses in Temeswar.[8] Seit den Anfängen seines Schreibens stehen Seilers Tex­te im Zeichen jener experimentell innovativen Literatur in Rumänien, die Anschluss an die damalige zeitgenössische literarische Avantgarde im Westen, namentlich der konkreten Poesie, der gesellschaftskritischen Ge­dankenlyrik, der Literatur des Absurden und des späten Surrealismus such­te[9] – und teilweise auch international durchaus aufsehenerregend fand.[10]

Wie kaum ein zweiter unter den damaligen rumäniendeutschen Lyri­kern, von Bernd Kolf und Rolf Bossert vielleicht abgesehen, experimentier­te Hellmut Seiler mit verschiedenen Techniken der Sprachdekonstruktion und des Sprachspiels. Dabei löste er sich sehr weitgehend von überkomme­nen Strukturzwängen poetischer Sprache, von formalen Regeln, einschließ­lich herkömmlicher Schreibweise und Interpunktion, von vertrauten Sprachfügungen, Sprachbildern und Sinnbedeutungen der Wörter, denen er nicht nur neue Anordnungen, Intonationen und Sinnbezüge abgewann, son­dern zumeist auch geistreiche Wendungen und Spannungen vermittelte. Aphoristische Zuspitzungen oder bis ins Bizarre gesteigerte Abwandlungen und Paraphrasierungen gängiger Sprach- und Sinnmuster, ebenso wie kom­plizierte und vielschichtige, das Denken spannungsreich herausfordernde Wortfügungen, unerwartete ironische bis sarkastische Sprachpointen und hintersinnige Anspielungen kennzeichnen seine damaligen wie auch späte­ren Texte. Nicht selten finden sich eigentümliche, zum Nachdenken zwin­gende Wortschöpfungen wie etwa „zweiheimisch“. Vielfach zielen die Sprach- und Wortspiele auf unerwartete Erkenntnisse ab, sind kritisch ge­gen Alltagsbanalitäten, traditionale gesellschaftliche Engstirnigkeiten wie auch Zwänge und Grenzen ideologisch politischer Art gerichtet.

So heißt es in dem „holzgedicht“ aus dem Debütband, auf das bereits Richard Wagner und Rolf Bossert in ihren damaligen Rezensionen positiv eingegangen sind: „holzmusterehen verlaufen ungeschieden / dafür sorgen die gatten mit hölzernen gliedern / holzkinder sodann / wer denn legt feuer an?“.[11] „Grenzgänge“ und „Grenzen“ in den verschiedensten Bedeutungs­variationen und Verwendungen durchziehen, wie übrigens bei anderen ru­mäniendeutschen Autoren,[12] als Schlüsselbegriff, bei dem die „Gedanken­polizei“[13] in Rumänien immer besonders hellhörig wurde, viele der Texte Seilers. So blieben denn auch bei ihm wie bei vielen anderen rumänien­deutschen Intellektuellen, Künstlern und Schriftstellern Beobachtungen, Bespitzelungen, Drangsalierungen, Abhörungen, Verhöre, Veröffentli­chungs- und Berufsverbote, Protestschreiben und schließlich auch der Aus­reiseantrag nicht aus.

Diese bedrückenden Erfahrungen finden sich unter anderem in Hellmut Seilers Beitrag „Eine Wanze namens Boris. Absurditäten der Überwachung und der geheime Streudienst“ trefflich dargestellt,[14] wobei es ihm in diesem Text vor allem gelingt, die Widersprüche und Absurditäten des Vorgehens und der Maßnahmen der Securitate, die ideologischen Fixierungen und die Stupidität einzelner Angehöriger dieser berüchtigten politischen Polizei Rumäniens, greifbar und anschaulich zu machen.

Mit der im Jahr 1988 erfolgten Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland beginnt sodann gleichsam die zweite, mit der ersten wohl kompliziert verschränkte „zweiheimische“ Hälfte des Lebens des „Grenz­gängers“ und „Sprachspielers“[15] Hellmut Seiler, der im „Brotberuf“ bis vor wenigen Monaten als Lehrer tätig war und die wohlverdiente Beendigung dieser Tätigkeit vermutlich auch als so etwas wie eine zweite Befreiung aus den Zwängen und Pflichten des berufsbestimmten Alltags empfunden ha­ben dürfte. Neben diesem Berufsalltag gab es allerdings seit der Ausreise auch eine weitere, befreiende Entfaltung der literarischen Kreativität, die zu einer Reihe eindrucksvoller Bücher führte, von denen ich hier lediglich den Gedichtband: „siebenbürgische endzeitlose“, aus dem Jahr 1994, mit einem Nachwort von Dieter Schlesak,[16] und die Bände „Schlagwald, Gren­zen, Gänge“, 2001,[17] „An Verse geheftet“, 2007[18] und „Dieser trotzigen Ruhe Weg“, 2017,[19] erwähnen möchte. Diese Bücher stehen einerseits un­verkennbar in der Kontinuität seiner Denk- und Schreibweise der1970er und 1980er Jahre, entfalten sich aber andererseits thematisch und schreib­technisch weiter, bis hin zu ganz neuen Wortschöpfungen, virtuosen Sprach- und Gedankenspielen wie auch erkenntnisreichen Gedankenblitzen und eigentümlich verfremdeten Sinnwelten. Seiler hat nicht nur aus ver­schiedenen Sprachen übersetzt, sondern viele nuancenreichen Assoziatio­nen, die er literarisch anspricht und evoziert, lassen häufig neben der sie­benbürgischen Heimat auch diese anderen fremdkulturellen Erfahrungsräu­me aufscheinen und mitschwingen.

Für seine Veröffentlichungen ist Hellmut Seiler mehrfach mit wichtigen Literaturpreisen geehrt worden. Neben dem bereits erwähnten „Adam-Müller-Guttenbrunn“ Preis im Jahr 1984 sind unter anderem der „Literatur­preis der Künstlergilde Esslingen für Prosa“ 1998, der „Literaturpreis der Künstlergilde für Lyrik“ 1999, der „Würth-Literatur-Preis“ 2000 der Tü­binger Poetik-Dozentur sowie der Erfolg beim Wettbewerb „Lyrik in einem Zug“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und der Deutschen Bahn AG 1997 und 2001 zu nennen. Seit 2014 ist er mit den wahrscheinlich nicht ganz einfachen Aufgaben des Ge­neralsekretärs des „Internationalen Exil-P.E.N. – Sektion deutschsprachige Länder“ betraut.[20]

Zu der Sammlung von Sätzen für Richard Wagner, zu dessen 65. Ge­burtstag, steuerte Hellmut Seiler in Anlehnung an eigene Verse den Satz bei: „Eine abgerundete Persönlichkeit bist du nicht, nie gewesen, eine sol­che eckt ja nicht an.“[21] Diese Aussage kann man wohl umstandslos auch auf ihn selbst anwenden. Dem kann man als weitere selbstbekennende Zei­len hinzufügen: „Angst habe ich keine, deswegen / habe ich doch nicht ge­lebt / um jetzt Angst zu haben.“[22] So möge es bleiben.

Literatur

Bossert, Rolf: Was „stiften“ die Dichter? Notizen zu Hellmut Seilers Debütband „die einsamkeit der stühle“, in: Neuer Weg, 23. Oktober 1982

Csejka, Gerhardt: Bedingtheiten der rumäniendeutschen Literatur. Versuch einer sozio­logisch-historischen Deutung, in: Stiehler, Henrich (Hrsg.): Nachrichten aus Rumä­nien. Rumäniendeutsche Literatur. Hildesheim-New York 1976 (S. 1-8), zuerst in: „Neuer Weg“ vom 20. März 1971 (S. 6-7)

Csejka, Gerhardt: Rückblick auf die rumäniendeutsche Nachkriegsliteratur, in: Solms, Wilhelm (Hrsg.): Nachruf auf die rumäniendeutsche Literatur. Marburg 1990 (S. 145-159)

Gabanyi, Anneli Ute: Partei und Literatur in Rumänien seit 1945, München 1975

Lăzărescu, Mariana-Virginia: „dreh dich nicht um, grenzgänger gehen um, ohne gren­zen“. Wortspiel und Witz in den Texten Hellmut Seilers, in: Crăciun, Ioana/Guţu, George/Lægreid, Sissel/Motzan, Peter (Hrsg.): Ost-West-Identitäten und -Perspekti­ven. Deutschsprachige Literatur in und aus Rumänien im interkulturellen Dialog, München 2012 (S. 167-183)

Motzan, Peter: Die rumäniendeutsche Lyrik nach 1944. Problemaufriss und historischer Überblick, Klausenburg/Cluj-Napoca 1980

Müller, Herta: Tischrede, in: Müller, Herta: Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel, München 2011 (S. 22-24)

Puttkamer, Joachim von/Sienerth, Stefan/Wien, Ulrich A. (Hrsg.): Die Securitate in Sie­benbürgen. Siebenbürgisches Archiv, Köln-Weimar-Wien 2014

Samson, Horst/Sterbling, Anton (Hrsg.): Die Sprache, die auf das Nichts folgt, die ken­nen wir nicht. Sätze und Texte für Richard Wagner, Ludwigsburg 2018

Seiler, Hellmut: die einsamkeit der stühle, Klausenburg/Cluj-Napoca 1982

Seiler, Hellmut: siebenbürgische endzeitlose. Gedichte. Mit einem Nachwort von Dieter Schlesak, Frankfurt a. M. 1994

Seiler, Hellmut: Schlagwald, Grenze, Gänge. 77 Gedichte und Exkurse. Lyrikedition 2000, München 2001

Seiler, Hellmut: An Verse geheftet. 77 Gedichte und Intermezzi samt einem Epilog, Ludwigsburg 2007

Seiler, Hellmut: Eine Wanze namens Boris. Absurditäten der Überwachung und der ge­heime Streudienst, in: Csejka, Gerhardt/Sienerth, Stefan (Hrsg.): Vexierspiegel Se­curitate. Rumäniendeutsche Autoren im Visier des kommunistischen Geheimdiens­tes, Regensburg 2015 (S. 151-159)

Seiler, Hellmut: Anfang oder Ende, in: Seiler, Hellmut: Dieser trotzigen Ruhe Weg. Ge­dichte und Aphorismen, Rote Reihe Lyrik Band 5, Norderstedt 2017 (S. 18)

Seiler, Hellmut: Dieser trotzigen Ruhe Weg. Gedichte und Aphorismen, Rote Reihe Ly­rik Band 5, Norderstedt 2017

Seiler, Hellmut: Ein Satz für Richard Wagner, in: Samson, Horst/Sterbling, Anton (Hrsg.): Die Sprache, die auf das Nichts folgt, die kennen wir nicht. Sätze und Texte für Richard Wagner, Ludwigsburg 2018

Sterbling, Anton: Stalinismus in den Köpfen – zur kommunistischen Gewaltherrschaft in Rumänien, in: Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde, 30.(101.) Jg., Heft 1, Köln-Weimar-Wien 2007 (S. 78-88)

Sterbling, Anton: „Am Anfang war das Gespräch“. Reflexionen und Beiträge zur „Ak­tionsgruppe Banat“ und andere literatur- und kunstbezogene Arbeiten, Hamburg 2008

Sterbling, Anton: Grenzgänge, Heimat, Wanderungen. Narrative über das zerbrochene Sinnmuster der Vergangenheit, Ludwigsburg 2013

Sterbling, Anton: Rumänien zwischen kulturpolitischem „Tauwetter“ und nationalkom­munistischer Spätdiktatur, in: Janke, Pia/Kovacs, Teresa (Hrsg.): Schreiben als Wi­derstand. Elfriede Jelinek und Herta Müller, Wien 2017 (S. 66-78)

Sterbling, Anton: „aktionsgruppe banat oder ähnlich so“. Ein Manifest des ästhetischen Widerstands, in: Bosch, Aida/Pfütze, Hermann (Hrsg.): Ästhetischer Widerstand gegen Zerstörung und Selbstzerstörung, Wiesbaden 2017 (S. 209-220)

Sterbling, Anton: Die schwierige Hinterlassenschaft der Securitate – unter besonderer Berücksichtigung der Täter-Opfer-Problematik, Sterbling, Anton: Am Rande Mit­teleuropas. Über das Banat und Rumänien. Buchreihe: Land-Berichte 14, Herzogen­rath 2018 (S. 155-183)

Wagner, Richard: … wo das Positive bleibt … Anmerkungen zu hellmut seiler, „die ein­samkeit der stühle. dacia verlag, cluj-napoca 1982, in: Karpatenrundschau, 3. März 1982

Wagner, Richard: Wie ich Adam Müller-Guttenbrunn den Bulhardt ersparte, in: Spiege­lungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, 4.(58.) Jg., München 2009 (S. 243-250)

[1]     Bei diesem Text handelt es sich um meine Einführung zu „Dieser trotzigen Ruhe Weg. Autorenlesung mit Hellmut Seiler“, im Zeitungs-Café Hermann Kesten, in Nürnberg, am 18. Oktober 2018.

[2]     Zum Stalinismus in Rumänien siehe auch: Sterbling, Anton: Stalinismus in den Köpfen – zur kommunistischen Gewaltherrschaft in Rumänien, in: Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde, 30.(101.) Jg., Heft 1, Köln-Weimar-Wien 2007 (S. 78-88).

[3]     Siehe dazu ausführlicher: Sterbling, Anton: Rumänien zwischen kulturpolitischem „Tauwetter“ und nationalkommunistischer Spätdiktatur, in: Janke, Pia/Kovacs, Te­resa (Hrsg.): Schreiben als Widerstand. Elfriede Jelinek und Herta Müller, Wien 2017 (S. 66-78).

[4]     Zu den einzelnen Perioden der rumänischen Kultur- und Literaturpolitik und zur „Tauwetterperioden“ im Besonderen siehe auch: Gabanyi, Anneli Ute: Partei und Literatur in Rumänien seit 1945, München 1975, insb. S. 78 ff und S. 122 ff.

[5]     Siehe dazu: Csejka, Gerhardt: Bedingtheiten der rumäniendeutschen Literatur. Ver­such einer soziologisch-historischen Deutung, in: Stiehler, Henrich (Hrsg.): Nach­richten aus Rumänien. Rumäniendeutsche Literatur. Hildesheim-New York 1976 (S. 1-8), zuerst in: „Neuer Weg“ vom 20. März 1971 (S. 6-7); Csejka, Gerhardt: Rückblick auf die rumäniendeutsche Nachkriegsliteratur, in: Solms, Wilhelm (Hrsg.): Nachruf auf die rumäniendeutsche Literatur. Marburg 1990 (S. 145-159); Motzan, Peter: Die rumäniendeutsche Lyrik nach 1944. Problemaufriss und histori­scher Überblick, Klausenburg/Cluj-Napoca 1980.

[6]     Siehe auch: Sterbling, Anton: „Am Anfang war das Gespräch“. Reflexionen und Beiträge zur „Aktionsgruppe Banat“ und andere literatur- und kunstbezogene Ar­beiten, Hamburg 2008.

[7]     Siehe: Seiler, Hellmut: die einsamkeit der stühle, Klausenburg/Cluj-Napoca 1982.

[8]     Zur Bemühung um Eigenständigkeit und den Auseinandersetzungen im „Adam-Müller-Guttenbrunn“ Literaturkreis siehe: Wagner, Richard: Wie ich Adam Müller-Guttenbrunn den Bulhardt ersparte, in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kul­tur und Geschichte Südosteuropas, 4.(58.) Jg., München 2009 (S. 243-250).

[9]     Siehe: Sterbling, Anton: „aktionsgruppe banat oder ähnlich so“. Ein Manifest des ästhetischen Widerstands, in: Bosch, Aida/Pfütze, Hermann (Hrsg.): Ästhetischer Widerstand gegen Zerstörung und Selbstzerstörung, Wiesbaden 2017 (S. 209-220).

[10]    Nicht zuletzt durch den Literaturnobelpreis für Herta Müller ist auch eine späte An­erkennung dieser frühen avantgardistischen rumäniendeutschen Literatur erfolgt, wobei die Nobelpreisträgerin in ihrer „Tischrede“ wie folgt an die damaligen An­fänge (in Temeswar) erinnerte: „Zum Glück traf ich in der Stadt Freunde, eine Handvoll junge Dichter der „Aktionsgruppe Banat“. Ohne sie hätte ich keine Bü­cher gelesen und keine geschrieben. Noch wichtiger ist: Diese Freunde waren le­bensnotwendig. Ohne sie hätte ich die Repressalien nicht ausgehalten. Ich denke heute an diese Freunde. Auch an die, die auf dem Friedhof liegen, die der rumäni­sche Geheimdienst auf dem Gewissen hat.“ Siehe: Müller, Herta: Tischrede, in: Müller, Herta: Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel, München 2011 (S. 22-24), vgl. S. 23.

[11]    Siehe dazu auch: Lăzărescu, Mariana-Virginia: „dreh dich nicht um, grenzgänger gehen um, ohne grenzen“. Wortspiel und Witz in den Texten Hellmut Seilers, in: Crăciun, Ioana/Guţu, George/Lægreid, Sissel/Motzan, Peter (Hrsg.): Ost-West-Identitäten und -Perspektiven. Deutschsprachige Literatur in und aus Rumänien im interkulturellen Dialog, München 2012 (S. 167-183), insb. S. 168 f, vgl. S. 189. Es handelt sich um die Rezensionen: Wagner, Richard: … wo das Positive bleibt … An­merkungen zu hellmut seiler, „die einsamkeit der stühle. dacia verlag, cluj-napoca 1982, in: Karpatenrundschau, 3. März 1982, und: Bossert, Rolf: Was „stiften“ die Dichter? Notizen zu Hellmut Seilers Debütband „die einsamkeit der stühle“, in: Neuer Weg, 23. Oktober 1982.

[12]    Siehe auch: Sterbling, Anton: Grenzgänge, Heimat, Wanderungen. Narrative über das zerbrochene Sinnmuster der Vergangenheit, Ludwigsburg 2013.

[13]    Wenn ich von „Gedankenpolizei“ spreche, meine ich nicht nur die Securitate selbst, sondern auch ihre Helfer und Helfershelfer, nicht zuletzt aus den Reihen der rumä­niendeutschen Intellektuellen und Schriftsteller, die sich als Denunzianten oder be­flissene Exegeten staatsfeindlicher Texte teilweise sehr willfährig in deren Dienste stellten. Siehe: Sterbling, Anton: Die schwierige Hinterlassenschaft der Securitate – unter besonderer Berücksichtigung der Täter-Opfer-Problematik, Sterbling, Anton: Am Rande Mitteleuropas. Über das Banat und Rumänien. Buchreihe: Land-Berich­te 14, Herzogenrath 2018 (S. 155-183).

[14]    Siehe: Seiler, Hellmut: Eine Wanze namens Boris. Absurditäten der Überwachung und der geheime Streudienst, in: Csejka, Gerhardt/Sienerth, Stefan (Hrsg.): Vexier­spiegel Securitate. Rumäniendeutsche Autoren im Visier des kommunistischen Ge­heimdienstes, Regensburg 2015 (S. 151-159). Zur Problematik der Securitate in Siebenbürgen siehe auch: Puttkamer, Joachim von/Sienerth, Stefan/Wien, Ulrich A. (Hrsg.): Die Securitate in Siebenbürgen. Siebenbürgisches Archiv, Köln-Weimar-Wien 2014.

[15]    Mit „Sprachspieler“ greife ich eine Formulierung von Georg Aescht auf, der 2007 meinte: „Hellmut Seiler ist ein Spieler, allerdings ein ganz und gar besonnener, der weiß, was auf dem Spiel steht, wenn einer schreibt. Sein Sprachspiel ist nur schein­bar unverbindlich – er bewegt sich mit unnachahmlicher Eleganz auf der dünnen Eisschicht der Sprache im Bewusstsein, dass man einbricht, sobald man stillsteht.“ Siehe dazu: Lăzărescu, Mariana-Virginia: „dreh dich nicht um, grenzgänger gehen um, ohne grenzen“. Wortspiel und Witz in den Texten Hellmut Seilers, in: Crăciun, Ioana/Guţu, George/Lægreid, Sissel/Motzan, Peter (Hrsg.): Ost-West-Identitäten und -Perspektiven. Deutschsprachige Literatur in und aus Rumänien im interkultu­rellen Dialog, München 2012 (S. 167-183), vgl. S. 182.

[16]    Siehe: Seiler, Hellmut: siebenbürgische endzeitlose. Gedichte. Mit einem Nachwort von Dieter Schlesak, Frankfurt a. M. 1994.

[17]    Siehe: Seiler, Hellmut: Schlagwald, Grenze, Gänge. 77 Gedichte und Exkurse. Ly­rikedition 2000, München 2001.

[18]    Siehe: Seiler, Hellmut: An Verse geheftet. 77 Gedichte und Intermezzi samt einem Epilog, Ludwigsburg 2007.

[19]    Siehe: Seiler, Hellmut: Dieser trotzigen Ruhe Weg. Gedichte und Aphorismen, Rote Reihe Lyrik Band 5, Norderstedt 2017.

[20]    Siehe: Samson, Horst/Sterbling, Anton (Hrsg.): Die Sprache, die auf das Nichts folgt, die kennen wir nicht. Sätze und Texte für Richard Wagner, Ludwigsburg 2018, insb. S. 310 f.

[21]    Siehe: Seiler, Hellmut: Ein Satz für Richard Wagner, in: Samson, Horst/Sterbling, Anton (Hrsg.): Die Sprache, die auf das Nichts folgt, die kennen wir nicht. Sätze und Texte für Richard Wagner, Ludwigsburg 2018, vgl. S. 34.

[22]    Siehe: Seiler, Hellmut: Anfang oder Ende, in: Seiler, Hellmut: Dieser trotzigen Ruhe Weg. Gedichte und Aphorismen, Rote Reihe Lyrik Band 5, Norderstedt 2017 (S. 18), vgl. S. 18.

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