04.03.2018: Konzert: Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?

Diese Frage wurde lange vor dem Auftritt des Trios Balazs-Loris-Tichá in verschiedenen Medien kolportiert und die geplante Veranstaltung fleißig inseriert. Deshalb hätte es nicht verwundern müssen, dass der doch an Plätzen beschränkte historische Renaissancesaal regelrecht vom Publikum bestürmt wurde. Viele, sehr viele mussten leider wegen der limitierten Anzahl an Plätzen vor der Türe bleiben. Zu unser aller Bedauern.

Die Anmoderation seitens der Projektleiterin des „Nürnberger Kulturbeirates zugewanderter Deutscher“, Dagmar Seck, beruhigte das Publikum, das sich voll Erwartung auf die Schönheit Sigismunds eingefunden hatte.
Dagmar Seck stellte die drei Künstler sehr treffend und mit einem humorvollen Augenzwinkern vor:
„Wenn Sie sich also heute Abend fragen sollten, warum Josef Balazs so eloquent ist, dann vermutlich weil er Sprachen studiert hat, als Lehrer und Journalist gearbeitet hat und schon zahlreiche Reden und Vorträge über Lessing, Mozart, Schiller und weitere Literaten gehalten hat. Er ist übrigens auch Mitglied in unserem Kulturbeirat.
Falls Sie sich dann fragen sollten, warum Dagmar Loris so wunderbar Klavier spielt, liegt es natürlich an ihrem Klavierstudium, das sie in Würzburg absolviert hat. Das Repertoire der Pianistin umfasst Klavier- und Kammermusikwerke aller Epochen und Stilrichtungen. Sie ist eine gefragte Liedbegleiterin und setzt sich für Werke von Komponistinnen ein.
Und was kann Vaclava Tich
á dafür, dass sie so ausgezeichnet singt? Sie hat in Nürnberg Gesang studiert und kann schon seit ihrer Studienzeit eine rege Konzerttätigkeit aufweisen, die sie bis heute in diversen Ensembles fortführt. Daneben unterrichtet sie am Gymnasium Fridericianum in Erlangen Gesang und leitete und leitet mehrere Ensembles wie bspw. den „Gospeltrain“.
Josef Balazs ist in Kronstadt geboren, Dagmar Loris in Temeschburg und Vaclava Tich
á in Prag – unserem Namen „Kulturbeirat zugewanderter Deutscher“ werden wir somit in jedem Fall gerecht. Nun wollen wir auch unserer Ankündigung gerecht werden und Schwungvolles aus Musical, Operette, Chanson und Jazz bieten. Bühne frei für zwei Damen, ein Klavier, einen Mann… und viel Musik!“ Soweit Dagmar Seck, die Projektleiterin des „Nürnberger Kulturbeirates zugewanderter Deutscher“.

Dagmar Loris eröffnete den Abend mit der Ouvertüre zu „My Fair Lady“ von Frederick Loewe am Klavier. So war es nicht schwer, gleich bei drei Höhepunkten dieses Musicals anzusetzen: „Nur ein Zimmerchen irgendwo“, „Ich hätt getanzt heut Nacht“ und „Es grünt so grün“. Als Professor Higgins konnte Josef Balazs sein schauspielerisches Talent und tänzerisches Können unter Beweis stellen. Vaclava Tichá brillierte als Blumenverkäuferin Eliza Doolittle und eroberte sehr schnell die Gunst des Publikums.
Die großartigen Kompositionen George Gershwins – „The Man I Love“ und „I Got Rythm“ – zeigten einen anderen Musikstil, und zwar den Einfluss des amerikanischen Jazz. Die Parodie „By Strauß“ ist der ultimative Beweis, betonte in seiner Präsentation Josef Balazs, dass Amerika ohne Operette, ohne Walzer, ohne Strauß, nicht existieren kann. In diesem wundersamen Stück sind freche Musikzitate aus „An der schönen blauen Donau“, aus „Die Fledermaus“ und „Wein, Weib und Gesang“ eingebaut.
Das „Vilja-Lied“, das Lied vom Waldmägdelein, aus der „Lustigen Witwe“ wurde von Vaclava Tichá mit ihrer samtenen Sopranstimme herzzerreißend gesungen. Bravo-Rufe ertönten aus dem Publikum neben frenetischem Applaus.
Als Abschluss des ersten Teils sang das lispelnde Klärchen ihre lustige Arie „Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist?“ und schmolz in den Armen des Fabrikantensohnes Sigismund dahin.

Im zweiten Teil wurden zwei französische Chansons – „La Vie En Rose“ und „La Mer“ – einfühlsam von Vaclava Tichá gesungen bzw. von der Pianistin Dagmar Loris interpretiert. Es folgten Songs aus den Musicals „The Wizzard Of Oz“, „Mary Poppins“ und „Cats“.
Als Duo beeindruckten die zwei Damen mit „America“ aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein; rhythmisch, spritzig, frech die Altstimme von Dagmar Loris, schwungvoll bezaubernd der Gesang und Tanz der Vaclava Tichá.
Der Schlussgesang mit dem ABBA-Lied „Danke für die Lieder“, bei dem das Publikum aufgefordert wurde mitzusingen, rundete das Programm ab.
Durch das Programm führte mit einer großen Dosis Ironie, gepaart mit Charme, Josef Balazs.
Nach zwei „Zugaben“, darunter selbstverständlich auch das „Sigismund“-Lied, verließ das gutgelaunte Publikum summend, singend den Saal.
Ein Herr meinte: „Das war ein rundum gelungener Abend mit ganz großer Performance von allen.“

Elsa Mühlenbacher

Flyer Konzert Sigismund

Mary Poppins versüßt Medizin mit einem Löffelchen voll Zucker.

Eliza Doolittle weiß: Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.

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