Termin


Foto: Kristian Schuller

14. November 2019, 19:30 Uhr
Zeitungs-Café Hermann Kesten, Peter-Vischer-Straße 3, Nürnberg
Des Bischofs Brotzeit
Eintritt frei. Einlass über die Peter-Vischer-Straße ab 19:00 Uhr.

Lesung mit Frieder Schuller


Der evangelische Bischof der Siebenbürger Sachsen fährt 1952 in die rumänische Hauptstadt Bukarest, um an das Mitgefühl eines kommunistischen Parteibonzen zu appellieren. Er nimmt keine Bibel, aber ein unter Mühen frisch gebackenes Hausbrot mit. Zusammen mit einem fragwürdigen Brief des Revolutionärs Ernst Thälmann landen zuletzt Brot, Speck und Zwiebel auf dem Prachttisch des führenden Politikers. Auch der Rabbi der Bukarester jüdischen Gemeinde, sowie ein rumänisch-orthodoxer Würdenträger müssen sich zum improvisierten Gabelfrühstück gesellen. Bei diesem Zusammentreffen in der rumänischen Regierungszentrale, die sich im requirierten Königsschloss eingenistet hat, wird wie üblich um den heißen Brei geredet. Dem Bischof brennt nur eine Frage auf der Seele, wird seine deutsche Minderheit, wie schon in Sowjetrussland vorexerziert, aus ihrer angestammten Heimat vertrieben oder lässt es sich verhindern. Das mitgebrachte Hausbrot beeinflusst die Entscheidung.

Frieder Schuller, 1942 in Siebenbürgen geboren, lässt der Sprache in diesem Romanfragment ihren liebevoll-ironischen Lauf. Mehr als Lyriker bekannt, wobei ihm seine in Rumänien verbotenen Gedichte den Ausreisepass in die Bundesrepublik einbrachten, schrieb er hier mehrere Drehbücher, die zweimal mit der höchsten Filmförderprämie ausgezeichnet wurden. Es entstanden Spielfilme wie Der Glockenkäufer und in Koproduktion mit dem BR Im Süden meiner Seele, eine Hommage an Paul Celans Bukarester Jahre. Schullers Theaterstück Ossis Stein oder Der werfe das erste Buch über die Securitateverstrickung des Büchner-Preisträgers Oskar Pastior hatte 2014 seine Uraufführung. Zuletzt erschien 2017 der Gedichtband Die Angst der Parkbank vor dem Abendrot. In Nürnberg liest er aus seinem neuesten Roman.


In Kooperation mit dem Bildungscampus Nürnberg.

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